EZB-Geldpolitik: Gute Anlagerenditen immer noch möglich

Pressemitteilung - 27. Januar 2015

Die EZB-Entscheidung vom vergangenen Donnerstag, im XXL-Format Staatsanleihen im Euroraum zu kaufen, schlägt in Politik und Wirtschaft hohe Wellen. Doch wie wirkt sich dies auf unsere Region, deren mittelständische Unternehmen und die Verbraucher, Geldanleger und Kreditnehmer aus? Hierzu stand uns Bernd Schmidt, Vorstandsmitglied der Kieler Volksbank, Rede und Antwort:

1. Wie bewerten Sie die EZB-Entscheidung im Hinblick auf unsere Region?

Wir als Kieler Volksbank sehen die EZB-Zinspolitik seit längerem sowohl für Deutschland als auch für unsere Region kritisch. Einen zusätzlichen Konjunkturschwung aus der Liquiditätsschwemme der EZB in Folge der Staatsanleihe-Käufe halten wir für unsere mittelständische Wirtschaft für unwahrscheinlich. Bereits vor den letzten EZB-Entscheidungen hatte der deutsche Mittelstand unseres Erachtens keine Verschärfung der Möglichkeiten zu beklagen, an Kredite und Liquidität zu kommen. Die Zinsen sind bereits seit längerem so außerordentlich niedrig, dass allein daraus keine zusätzlichen positiven Investitionsentscheidungen mehr entstehen. Ganz im Gegensatz dazu sehen wir aber sehr bedenkliche Auswirkungen auf die soliden Sparanreize und -anstrengungen, die unser Land stets besonders geprägt haben. Durch die EZB-Politik werden insbesondere vernünftige Sparer, vorsichtige Geldanleger und jede Art von Altersvorsorge bestraft. Auch solide aufgestellte regionale Banken wie Volksbanken und Raiffeisenbanken müssen übrigens die Lasten der EZB-Politik tragen, denn die Zinsspannen für das klassische und konservative Bankgeschäfte als Differenz zwischen Einlagen- und Kreditzinsen liegen in Folge des Zinsrückgangs auf historischen Tiefstständen.

2. Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf die zukünftige Kreditvergabe an Unternehmen?

Im Grunde keine. Unsere Kreditvergabepolitik richtet sich grundsätzlich nach der wirtschaftlichen und nachhaltigen Tragfähigkeit eines Vorhabens sowie der Bonität des Kreditnehmers. Von der Geschäftspolitik her ist die Kreditvergabe in unserem Hause schon seit jeher auf den regionalen Mittelstand, Unternehmer und private Investitionen ausgerichtet - dies ändert sich durch die EZB-Entscheidung nicht. Aufgrund unseres exzellenten Ratings als genossenschaftliche Finanzgruppe sowie unserer hervorragenden Liquidität aus Kundeneinlagen sind wir für die Vergabe von Krediten nicht auf Liquiditätsprogramme der EZB angewiesen. Für den Kunden zählen Kompetenz, kurze Wege und Verbindlichkeit. Wir verstehen unser Geschäft und haben unsere Kreditvergabe an Unternehmen und private Immobilienkäufer deutlich ausweiten können. Diesen Trend werden wir fortsetzen.

3. Werden die Zinsen für Einlagen noch weiter abgesenkt - oder wird es zukünftig doch Straf- bzw. Negativzinsen geben?

Die EZB-Entscheidung hat leider nochmals ein Absinken der ohnehin schon extrem niedrigen Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt zur Folge, was sich auch für regionale Banken in der Verzinsungsmöglichkeit für Kundengelder auswirkt. Wir mussten in den letzten Jahren bereits die Zinssätze für Kundeneinlagen deutlich absenken und sind aktuell erneut gezwungen zu prüfen, inwiefern durch die veränderte Marktlage weitere Schritte erforderlich sind. Die Einführung von negativen Zinsen für Kunden als Anleger ziehen wir aktuell nicht in Betracht. Die privaten und
betrieblichen Anleger müssen sich aufgrund der Ausrichtung der EZB unseres Erachtens aber daran gewöhnen, über einen längeren Zeitraum keinerlei Verzinsung auf klassischen Tagesgeld- und Sparkonten mehr zu erhalten. Unser Hauptaugenmerk liegt daher darauf, unseren Kunden die Möglichkeiten und Chancen aufzuzeigen, die sich aus der Beimischung alternativer Anlageformen bieten.

4. Welche mittel-/langfristige Zinsprognose geben Sie aufgrund der EZB-Entscheidung ab?

Was die Krisenstaaten im Euroraum aufgrund der EZB-Entscheidung in erster Linie „gewinnen“, ist Zeit. Durch die Niedrigzinspolitik soll die Kreditvergabe auch in diesen Ländern angeregt und damit deren Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden. Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, darf sicherlich bezweifelt werden, da die Ursache für die lahmende Wirtschaft in einigen Ländern nicht die mangelnde Liquidität, sondern eine unzureichende Produktivität ist. Ein meines Erachtens berechtigter Kritikpunkt gegenüber der EZB-Politik ist die Tatsache, dass hierdurch vielfach dringend erforderlichen Reformen quasi ein Aufschub gewährt wird. Ich persönlich erwarte weiter sinkende Zinsen und auch für die nächsten Jahre ein extrem niedriges Zinsniveau.

5. Welche Anlageprodukte und -alternativen lohnen sich überhaupt noch für (Klein-)Sparer?

In der breiten Diskussion über Niedrig-/Negativzinsen wird in der öffentlichen Wahrnehmung leider zu wenig thematisiert, dass auch in diesen Zeiten mit alternativen Anlageformen gute und auskömmliche Renditen zu erzielen sind. So lag die Verzinsung von klassischen und zu 100 % sicheren Rentenversicherungen unseres Verbundpartners R+V Lebensversicherung AG auch 2014 bei 3,90 % (laufende Verzinsung von 3,40 % zzgl. Schlussüberschussbeteiligung sowie Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven). Indexbasierte Renten konnten teilweise Wertsteigerungen im zweistelligen Bereich erzielen, dies ohne Verlustrisiko sowie inkl. interessanter Steuervorteile. Mit Direktanlage in Aktien oder auch Investmentfonds ließen sich in den letzten Jahren ebenso wie mit Immobilien oder Immobilienfonds gute Wertsteigerungen und Ausschüttungen deutlich oberhalb der mageren Zinsanlagen erzielen. Zudem bieten Aktien und Immobilien als Sachwerte eine attraktive Chance gegen die unsichtbare Entwertung von Geldguthaben über die Inflation. Da auch unsere Kunden über Jahre einen Schwerpunkt auf Spar- und Tagesgelder gelegt haben, gehen wir hier aktiv, aber auch sehr behutsam vor. Wir laden unsere Kunden zu individuellen ganzheitlichen Vermögensberatungen ein, um eine bestmögliche Vermögensstruktur über verschiedene Anlageklassen zu besprechen und für unsere Kunden trotz quasi Nullzinsen eine Vermögensmehrung zu erreichen – maßgeschneidert auf die persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten. Der Anleger muss zur Erreichung dieses Ziels aber mehr als früher bereit sein, im Gegensatz zu klassischen Sparformen bei der Verfügbarkeit und Laufzeit oder auch bei der Schwankungsmöglichkeit von Anlagen zu diversifizieren.

Herausgeber: Kieler Volksbank eG
Rückfragen bitte an:
Jens Harder - Marketingleiter
Tel. (0431) 9802-144
Fax (0431) 9802-143
E-Mail: jens.harder@kieler-volksbank.de

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