Neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Es geht mehr, als viele glauben

Sechs Monate nach Einführung reißen die Diskussionen nicht ab

Pressemitteilung - 22. September 2016

Seitdem die neue EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) am 21. März in Kraft getreten ist, reißen die Diskussionen über die Umsetzung und Auslegung der EU-Vorgaben hierzulande nicht ab. Mit der gut gemeinten Regulierungsmaßnahme im Sinne des Verbraucherschutzes ist der deutsche Gesetzgeber – so die Meinung vieler Experten – weit übers Ziel hinaus geschossen.

Im Mittelpunkt der Kritik steht, dass es mit der WIKR-Einführung für bestimmte Verbrauchergruppen, insbesondere junge Familien und ältere Menschen, viel schwieriger geworden sei, eine Immobilienfinanzierung zu bekommen. Widerstand gegen die Überregulierung äußern sowohl Verbände aus der Bau- und Kreditwirtschaft sowie dem Handwerk als auch Verbraucherverbände. In ersten Einschätzungen gehen Vertreter aus der Kreditwirtschaft von einem Rückgang im ersten Halbjahr 2016 vergebener Wohnungsbaukredite in einem zweistelligen Prozentsatz im Vergleich zum Vorjahr aus.

Doch wie sieht es in der täglichen Praxis wirklich aus? Genau sechs Monate nach Einführung der WIKR gibt uns hierzu Nicole Menke-Borchers, die als Leiterin des Baufinanzierungs-Spezialistenteams der Kieler Volksbank täglich mit den Folgen dieser Gesetzgebung konfrontiert ist, ihre Einschätzungen:

„Unbestritten ist, dass wir unseren Kunden aufgrund der WIKR viel mehr Fragen zu ihrer persönlichen Situation und Lebensplanung stellen müssen als früher“, so Menke-Borchers. „Dies bedeutet zusätzlichen Aufwand und die Beratungsgespräche und unsere Dokumentationspflichten sind hierdurch ausführlicher geworden, allerdings stellen wir fest, dass die meisten Kunden hiermit keinerlei Probleme haben. Ziel dieser Fragen ist es ja schließlich, eine bestmögliche Einschätzung darüber zu erhalten, ob die Kunden in der Lage sind, ihre Wunschfinanzierung nachhaltig finanziell zu stemmen. Dies ist sowohl im Sinne der Kreditnehmer als auch des Kreditgebers.“

Auch die Aussage, dass junge Familien und ältere Menschen zunehmend Probleme hätten, ein Darlehen für die eigenen vier Wände oder die altersgerechte Renovierung zu erhalten, relativiert die Expertin: „Richtig ist, dass die Kriterien und der Spielraum für eine Kreditzusage um einiges strenger und enger geworden sind. Andererseits gibt es auch unter den neuen WIKR-Rahmenbedingungen in den meisten Fällen Lösungen, die wir im intensiven persönlichen Austausch mit unseren Kunden im Beratungsgespräch erarbeiten. Manchmal ist hier eben etwas mehr Kreativität als früher erforderlich. Schon häufiger konnten wir auf den ersten Blick eher aussichtslose Finanzierungswünsche zum Beispiel deshalb doch erfüllen, weil wir – im persönlichen Austausch mit den Kunden – hierfür interfamiliäre Lösungen gefunden haben. Hier geht viel mehr, als viele glauben!“

Einen von einigen Bankenvertretern und Institutsgruppen prognostizierten Einbruch der Baufinanzierungen bestätigt Nicole Menke-Borchers für ihr Haus ebenfalls nicht: „Auch vor Einführung der WIKR haben wir die Kreditwürdigkeit unserer Kunden sehr gewissenhaft und seriös geprüft. Das Ziel der EU-Richtlinie, eine zu laxe Vergabe von Darlehen für den privaten Wohnungsbau und damit eine Immobilienblase zu verhindern, ist ja grundsätzlich richtig. Doch solche leichtfertigen Kreditzusagen hat es in der Kieler Volksbank - und dies gilt für die allermeisten etablierten Banken in Deutschland – auch vor WIKR-Einführung nicht gegeben. Den Großteil der Kreditanträge, die wir heute negativ entscheiden müssen, hätten wir auch vor dem 21. März ablehnen müssen. “

Dem Eindruck, dass sich somit durch die WIKR in der täglichen Praxis gar nicht so viel verändert habe, widerspricht die Baufinanzierungsspezialisten dann aber doch: „Auch ich hätte mir gewünscht, dass der deutsche Gesetzgeber den Spielraum, den die EU-Regeln zulassen, genutzt hätte. Hier ist man mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit sicherlich übers Ziel hinaus geschossen. Aber – wie gesagt – vielfach lassen sich im persönlichen Gespräch mit potenziellen Kreditnehmern Lösungen finden, an die man früher vielleicht gar nicht gedacht hätte. Als Experten müssen wir hier zum Teil nur noch gründlicher recherchieren und auch mal um die Ecke denken. Aber dafür sind wir ja da. Im Wettbewerbsvergleich erhalten wir für das, wofür wir stehen – nämlich die individuelle, persönliche Beratung – durch die WIKR ja sogar Wasser auf unsere Mühlen.“

Also doch: Alles gut? „Was mich in der ganzen Diskussion um die WIKR – neben den aufwändigeren Prüfungen und Dokumentationspflichten – wirklich ärgert, ist der bei manchem Immobilienträumer entstandene Eindruck, dass eine Baufinanzierung für ihn scheinbar aussichtslos ist und er daher gar nicht erst den Schritt zu einem persönlichen Beratungsgespräch unternimmt, um seine persönliche Situation zu analysieren. Hier möchte ich den Kunden gern eventuell vorhandene Ängste nehmen. Grundsätzlich gilt hier: Nichts ist ausgeschlossen!“

Zur Frage, ob das aufgrund der niedrigen Zinsen boomende Baufinanzierungsgeschäft auch nach WIKR-Einführung noch Spaß mache, antwortet Nicole Menke-Borchers: „Definitiv! Schließlich helfen wir unseren Kunden ja dabei, ihren Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Auf die WIKR-Einführung hatten wir uns in unserem Spezialistenteam seinerzeit sehr gut vorbereitet, so dass es die Verunsicherung, aus der so manche Finanzierungsablehnung leider auch resultiert, bei uns nicht gibt. Daher sind wir auch sehr stolz auf die Auszeichnung der Zeitung DIE WELT, bei deren Bankentest wir in diesem Jahr – und zwar nach WIKR-Einführung – auch im Beratungsfeld Baufinanzierung als Testsieger ausgezeichnet wurden.“

Herausgeber: Kieler Volksbank eG
Rückfragen bitte an: Jens Harder - Marketing
Tel. (0431) 9802-144
E-Mail jens.harder@kieler-volksbank.de

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